Archiv 2009
Vortragsreihe »Geist der Freiheit – Freiheit des Geistes«
mit Vicente Such-Garcia
Die lebendig-geistreichen Vorträge des Deutschspaniers Vicente Such-Garcia zu zeitgeschichtlichen regionalen und überregionalen Themen sind im Rhein-Main-Gebiet seit Jahren ein Begriff. Erstmals wird eine komplette Vortragsreihe mit dem beliebten Referenten geboten:
Sonntag, 31. Januar 2010, 15 Uhr
Frankfurt und Offenbach – Eine 1000jährige »Beziehungskiste«
Das Phänomen lokaler Animositäten ist in der gesamten Rhein-Main-Region mit ihrer Ballung "wichtiger Orte" weit verbreitet. Sie spiegeln sozio-kulturelle und mental-historische Entwicklungen wider, die längst Teil der eigenen Identität als Lokalpatriot geworden sind. Das gilt besonders für die 1000jährige "Beziehungskiste" zwischen Frankfurt und Offenbach. Seit der Gründungsgeschichte beider Orte im Frühmittelalter bis zur heutigen Verkehrs- und Regionalpolitik wird diese besondere Beziehung gepflegt, die Bestandteil der Alltagskultur und der Umgangssprache geworden ist.
Sonntag, 21. Februar 2010, 15 Uhr
Georg-August Zinn (1901-1976) – Die Herausbildung der hessischen Demokratie und Identität nach 1945
Unter Ministerpräsident Georg-August Zinn wurde Hessen zum "sozialdemokratischen Musterland" und Beispiel für den Wiederaufbau ("Hessen vorn") in Freiheit und Wohlstand. Mit Hilfe des Hessischen Rundfunks ("Familie Hesselbach", "Blauer Bock") und des Hessentages gelang in seiner Epoche die Herausbildung einer gesamthessischen Mentalität und die Integration einer Million Heimatvertriebener.
Sonntag, 28. März 2010, 15 Uhr
Die Jugendbewegung – Jugendkulturen im wilhelminischen Deutschland
Im wilhelminischen Deutschland der Jahrhundertwende bildete sich eine aus dem deutschen Bildungsbürgertum aufsteigende Jugendbewegung heraus ("Wandervogel", "bündische Jugend"). Diese autonome Jugendkultur wurde zum Vorbild weiterer Jugendkulturen in der Weimarer Republik, auch für Studentenverbindungen, die Kirchenjugend, die Arbeiterjugend. Die erzwungene Gleichschaltung mit der staatlichen "Hitlerjugend" oder Verbote besiegelten 1933 das Scheitern der vielfältig aufgefächerten Organisationen. Auch Gruppen des Widerstandes oder die zionistische Siedlerbewegung werden vor diesem Hintergrund erläutert.
Sonntag, 25. April 2010, 15 Uhr
»Tierra y Libertad« – Anarchismus und soziale Revolution in Spanien (1868-1939)
Während die Arbeiterbewegung in West- und Mitteleuropa mehrheitlich sozialdemokratisch geprägt war, zeigte sie sich in Spanien vor allem anarchistisch. Während des "Sexenio Revolucionario" (1868-1874) in Andalusien entstanden, entwickelte sich mit der Industrialisierung Kataloniens und der Zuwanderung aus dem andalusischen "Agraranarchismus" der katalonische "Anarchosyndikalismus" (Gründung der Gewerkschaft CNT im Jahre 1910 mit sechs Millionen Mitgliedern). Als sich mit dem Beginn des Bürgerkrieges im Juli 1936 die Staatsordnung auflöste und eine allgemeine Volksbewaffnung stattfand, gründete sich bis zum Sommer 1937 in der republikanischen Zone eine "egalitäre und herrschaftsfreie Wirtschafts- und Sozialordnung". Diese "soziale Revolution" der Anarchisten wurde von ihren innerrepublikanischen Gegnern, den Kommunisten, in einem blutigen "Bürgerkrieg im Bürgerkrieg" im Mai 1937 wieder rückgängig gemacht. Mit dem Sieg Francos war 1939 die "soziale Revolution" endgültig gescheitert.
Sonntag, 2. Mai 2010, 15 Uhr
Die Internationale Arbeiterolympiade 1925 – Demokratischer Sport im Rhein-Main-Gebiet
Sowohl die Industrialisierung als auch das Nachwirken der demokratischen Paulskirchen-Ideale von 1848 hatten das Rhein-Main-Gebiet zu einem Zentrum der deutschen Arbeiterbewegung werden lassen. Die kulturelle und sportliche Lebenswelt hatte die sozialdemokratische Arbeiterschaft gesellschaftlich verankert und bewahrte sie auch vor politischer Resignation. Zu nennen sind das "Frankfurter Sportkartell" von 1913 oder die Arbeitersporttage in der Weimarer Republik. Als Alternative zum "Olympischen Wettbewerb der Nationen" (1924 in Paris) wurde 1925 im Frankfurter Waldstadion die "Erste Internationale Arbeiterolympiade" unter dem Motto "Völkerbund der Solidarität" erfolgreich ausgetragen (3000 Sportler aus zwölf Ländern).
Sonntag, 20. Juni 2010, 15 Uhr
Das unbekannte »Andere« – Die Geschichte der Sinti und Roma in Hessen
Die aus Indien stammenden Sinti (Westgruppe) und Roma (Ostgruppe) sind seit dem 15. Jahrhundert in Deutschland und Hessen nachweisbar. Sie galten als "Pferdekenner" und wurden von den Landesherren gerufen. Auch als Söldner wurden sie eingesetzt. Gleichzeitig lebten sie als nomadische Gaukler und Kesselflicker. Eine systematische Verfolgung begann mit dem pseudo-wissenschaftlichen "Antiziganismus" der Aufklärung des 18. Jahrhunderts und endete mit ihrer Ermordung in Auschwitz ab 1943. Heute gelten die Sinti als gesellschaftlich integriert, während die Roma ihrer "Clanzugehörigkeit" kulturell treu geblieben sind.


